Carsten Liebig, Thomas Rublack, Octavian Ursu und Christoph Scholze (von oben links im Uhrzeigersinn) engagieren sich in der Initiative "Standorterhalten"

 

"Der Landkreis Görlitz setzt im Strukturentwicklungsprozess stark auf Innovation, innovative Prozesse, neue Technologien und kreative Experten. Daher begrüße ich ausdrücklich die Initiative zur Findung neuer Tätigkeitsbereiche, um gemeinsam mit Alstom die Arbeitsplätze am Standort Görlitz zu sichern. Es ist wichtig, dass unsere hiesige Expertise und Tradition im Schienenfahrzeugbau – die Kernkompetenz der Fachkräfte und des angestammten Unternehmens in der Region – erhalten bleiben. Dies muss Ziel aller Beteiligten sein. 

Der Schienenpersonennahverkehr bleibt ein vielversprechender Zukunftsmarkt. Daher besteht für alle Standorte in der Lausitz und deren engagierte Mitarbeiter die große Chance, weiterhin in diesem Zukunftsmarkt tätig zu sein. Die Initiative "Standorterhalten" unterstütze ich dabei ausdrücklich. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir uns dabei auch gegenüber dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr positionieren und setzen auf die Unterstützung des Freistaates." Thomas Rublack, Dezernent im Landkreis Görlitz


Hallo!

Heute berichten wir über eine Initiative, die es so noch nicht in Görlitz gab. Wir sprechen mit dem Innovationsmanager Christoph Scholze über sein Engagement bei “Standorterhalten". Bei Fragen oder Anregungen schreibt Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder wendet euch über die Webseite direkt an “Standorterhalten - die Initiative freut sich über jede und jeden Interessierte/n und über jede oder jeden Mitmacher/in!

Der Schock kam kurz vor Weihnachten: Alstom gab bekannt, dass 400 von 900 Arbeitsplätzen in Görlitz abgebaut werden sollen. Doch diese Pläne wurden ohne Carsten Liebig, den ehemaligen Werksleiter und vielfach engagierten Bürger gemacht. Alstom-Mitarbeiter hätten sich mit ihren Sorgen an ihn gewandt - Carsten Liebig begann zu handeln. 

Er gründete zusammen mit dem ehemaligen Siemens-Innovationsmanager Christoph Scholze, der heute die Görlitzer Niederlassung der Grantiro Think & Do Tanks auf der Steinstraße leitet, die "social impact"-Initative “Standorterhalten. Auf deutsch: eine Initiative, die positiv auf eine soziale Herausforderung wirken will - und alle einlädt, mit zu überlegen. Denn: der Wegfall von 400 Arbeitsplätzen beträfe nicht nur direkt 400 Arbeitnehmer und ihre Familien, sondern die ganze Region. Nicht nur Wirtschaftskraft, auch und vor allem Fachwissen und Fachkräfte, z.T. seit Jahrzehnten auf "die Schiene" spezialisiert, würden verloren gehen - in einer Zeit, in der die Lausitz vor großen Strukturentwicklungen steht und dabei, der EU- und bundesdeutschen Nachhaltigkeitsstrategie folgend, ganz auf den langfristigen Ausbau "der Schiene" setzt. 

Ziel von Standorterhalten ist, in Gemeinschaft alternative Strategien zu entwickeln, die nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch den Standort auf lange Sicht sichern - durch Erhalt und Ausbau. Sie wird u.a. von Oberbürgermeister Octavian Ursu und Dezernent Thomas Rublack (Zitat oben) unterstützt. Schließlich gilt der Schienenpersonennahverkehr als ein vielversprechender Zukunftsmarkt - warum also jetzt diese Perspektiven verlieren?


Christoph, wie kam der erste Gedanke zur Initiative? Wolltet ihr sofort Macher der Region mit ins Boot zu holen, wann kam der Plan, die Website zu erstellen, wie war Euer erstes Treffen?  

Carsten Liebig hat mich gefragt, was man machen könnte. Er wurde von vielen Alstom-Mitarbeitern angesprochen und hat daraufhin den Kontakt zu mir gesucht. Wir haben uns dann zusammengesetzt und uns Gedanken gemacht. Meine Erfahrungen aus dem Arbeitskampf um den Siemensstandort konnte ich hier gut einbringen. Verbunden mit unseren Grantiro Ansätzen führte das in der letzten Konsequenz zu dieser Initiative. 

Musste man sich erstmal zusammensetzen und diskutieren, oder ging alles blitzschnell, virtuell?  

Ja, blitzschnell ging es trotz aller Aufwände. Die Internetseite stand in weniger als 48 Stunden. Beim ersten Unterstützer Octavian Ursu war es ein Telefonat und er hat sofort zugesagt.

Habt Ihr einen Fahrplan zum Erhalt der Arbeitsplätze oder zum Innovationsprozess? 

Jetzt geht es darum, die Willigen einzusammeln. Den Mitarbeitern aber auch den Menschen in der Region soll jetzt als erstes ein Angebot gemacht werden, wie sie sich einbringen können. Dazu ist die Anmeldung mit den Kontaktdaten notwendig , was der aktuelle Stand ist und wie es weitergehen kann. Wichtig ist, immer abzugleichen, wie die aktuelle Gemengelage ist. Das betrifft sowohl die politische Sichtweise als auch die von Konzern und Gewerkschaften. Denn eins ist klar: Wir arbeiten nicht gegen irgendjemanden, sondern wir erarbeiten Konzepte und reichen jedem die Hand, um gemeinsam eine gute Lösung für den Standort und damit für unsere Stadt zu finden. 

Wie kommt die Initiative bei Alstom an? Nachdem schon Kinder Bilder für den Erhalt der Arbeitsplätze gemalt haben und nach Frankreich sandten, stehen nun Persönlichkeiten und Politiker hinter “Standorterhalten”. Gibt es erste Reaktionen?  

Es gibt noch keinen Kontakt zu Alstom und das wäre auch zu früh. Wir betonen momentan einfach nur, dass es keine Initiative gegen Alstom ist, sondern wir die Grundlage für eine gemeinsame Lösung entwickeln. Ich persönlich bin beeindruckt von Aktionen wie dem Bildermalen - und dem, was da hoffentlich noch kommt. Ich weiß auch, wie wichtig diese emotionalen Aktionen sind. Wir hatten bei Siemens damals auch sehr schöne emotionale Momente geschaffen und mit dem Kampf um das Werk verknüpft. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie. Aber…

Emotionen retten keine Arbeitsplätze und schaffen keine Innovation… 

...ja, genau, es ist eben allein nicht ausreichend und es müssen auch konkrete Perspektiven vorgelegt werden. Das hat bei Siemens damals geholfen und es wird auch dieses Mal nicht zu unserem Schaden sein. Stell dir einfach nur einmal vor: wenn zum Schluss in diesem Blog und in der Zeitung steht, dass die Belegschaft und die städtische Gesellschaft neue Konzepte entwickelt haben - und dann tatsächlich eines davon - von mir aus auch nur in Ansätzen - umgesetzt wird. Wir würden so ein bisschen wie das gallische Dorf bei Asterix und Obelix erscheinen und mit dem Zaubertrank der Vernetzung, der Gemeinschaft und der Schwarmintelligenz ein tolles Zeichen setzten. Weit über die Stadtgrenzen hinaus und als wichtiges Signal im Strukturwandel.  

Wie lange, denkt Ihr, wird das dauern?  

Das kann man nicht wirklich seriös beantworten. So etwas geht manchmal ganz schnell, aber kann sich auch ewig ziehen. Dazu sind zu viele Parteien mit unterschiedlichen Interessen involviert. Aber allein mit einem guten Lösungsvorschlag von „neutraler“ Stelle wie uns könnten wir dem Ganzen auch Schwung verleihen. Wir für unseren Teil glauben, bis Ende März erste valide Ideen auf dem Tisch liegen zu haben. 

Wir halten euch auf dem Laufenden!

Viele Grüße 

eure

Jasna 

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